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Nachdem wir (Birgit und ich) das zweite Staatsexamen glücklich überstanden hatten, waren wir urlaubsreif. Also packten wir unsere Siebensachen in meinen Peugeot und brachen auf, um für die nächsten 3 Wochen den Norden Frankreichs zu erkunden.
Elsaß
Unsere erste Station war das Elsaß. Allem voran natürlich Straßbourg mit seiner wunderschönen Kathedrale Notre-Dame. Unser Weg führte uns weiter vorbei an sonnendurchfluteten Weinbergen auf der sog. Route du Vin nach Ribeauville mit seinen Fachwerkhäusern. Hier wechseln sich in der Oberstadt Weinläden mit Läden von Kunsthandwerkern ab. Auch Kaysersberg, wo Albert Schweitzer das Licht der Welt erblickte, statteten wir einen Besuch ab. Genächtigt wurde in Jugendherbergen, die aber oft nicht einfach zu finden waren, das sie nicht wirklich ausgeschildert waren.
Lothringen + Champagne
Die nächste Etappe führte uns durch Lothringen mit seinen Städten Nancy und Metz und dann weiter in die Champagne nach Reims und Epernay, der Hauptstadt des Champagners. In Nancy, der historischen Hauptstadt von Lotheringen, gab es den Place du Stanislaus mit seinen vergoldeten Toren und Säulen zu bewundern. Dieser wurde im 18. Jahrhundert von Stanislaus Leszczynski, dem Herzog von Lotheringen angelegt. Er wird von Pavillons gesäumt, darunter das Hotel du Ville (Rathaus). Ein Triumphbogen führt zum Place de la Carriere, einem mit Bäumen eingefaßten Platz, an dem das Palais du Gouvernement steht. Metz mit seiner Lage direkt an der Mosel bietet schöne Flußimpressionen – es gibt insgesamt 20 Brücken über die Flüsse und Kanäle. Und neben dem Theater, das älteste in Frankreich, das noch bespielt wird, ist natürlich die Kathedrale St.-Etienne sehenswert. Einige der Glasfenster wurden von Chagall entworfen. In der Kathedrale Notre-Dame in Reims wurden seit dem 11. Jahrhundert die Könige Frankreichs gekrönt. Diese Kathedrale wird auch „die Kathedrale der Engel“ genannt, und auch hier sind Chagall-Fenster zu sehen. An die römische Vergangenheit der Stadt erinnert der Porte Mars, ein klassischer Torbogen. An die Taufe des Frankenkönigs Clodwig vor etwa 1500 Jahren in Reims erinnert heute noch eine Skulptur. Der einzige Grund Epernay zu besuchen, sind die großen Weinkeller. Hier sind die ganzen namhaften Champagnerhersteller zu Hause. Dadurch hat diese Stadt das höchste pro Kopf Einkommen in Frankreich. Wir machten eine Führung durch den Champagner-Keller von Mercier mit und lernten viel über dessen aufwendige Herstellung. Einen Probeschluck gab’s dabei auch. – Zum Wohl!
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Paris
Paris ereichten wir an einem Freitag nachmittag und deswegen ging es im Berufsverkehr mitten durch die Stadt - neunspurig um den Place de la Concorde – und ich war heilfroh, das mein Auto das Ziel ohne Unfall und Beule erreichte. In Paris konnten wir bei Gerald unterkommen, einem ehemaligen Klassenkameraden von Birgit, der bei der Bundeswehr arbeitet und daher in Paris lebt. Am ersten Abend trafen wir eine Freundin von Birgits Eltern, die in Paris lebt und uns bei der Planung unserer weiteren Reiseroute half. Da sie selbst eingeladen war an diesem Abend, nahm sie uns gleich mit und wir verbrachten einen Abend in internationaler Gesellschaft. Für den nächsten Tag war Side-Seeing angesagt. Wir begannen mit dem Eiffelturm, der zur Weltausstellung 1889 und zum 100. Jahrestag der Revolution errichtet wurde. Bis 1931 war er das höchste Bauwerk der Welt. Wir betrachten ihn aber nur von unten – eine Fahrt zur Aussichtsplattform sparen wir uns. Statt dessen wanderten wir ein Stück an den Ufern der Seine entlang und schlugen uns zum Arc de Triomphe durch, deren sternenförmige Zufahrtsstraßen unter Napoleon angelegt wurden. Dann ging es die Champs Elysees entlang, vorbei am ‚le petite palais’, in dem heute das Musee des Beau Arts untergebracht ist, und weiter zum Place de la Concorde, der uns vom Vortag ja noch in deutlicher Erinnerung war. Heute ist deutlich weniger Verkehr. Im Jardin de Tuilerien suchten wir uns eine Parkbank, damit sich unsere Füße erholen konnten. Dabei haben wir auch einen Blick auf den Louvre geworfen, allerdings nur von außen, für einen Museumsbesuch war das Wetter viel zu schön.
Auch am Sonntag zeigte sich der Himmel im strahlenden Blau, so daß wir uns wieder aufmachten die Pariser Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Diesmal führte uns unser Weg zuerst nach Notre Dame auf der Ile de la Cite. Dabei überschritten wir die Pont Neuf, die entgegen ihrem Namen die älteste Brücke der Stadt ist. Auch die Conciergerie, in deren Keller während der Revolution viele Gefangene schmachteten und der Justizpalast liegen auf der Insel. Von dort aus führte uns unser Weg zum Palais du Luxemburg mit seinen Parkanlagen, die zum ausruhen einluden. Nach einem Bummel durch St. Germain und das Quartier Latin suchten wir das Hotel des Invalides auf, das Louis XIV als Unterkunft für Kriegsversehrte bauen ließ. Der Invalidendom mit seiner goldenen Kuppel wurde später als persönliches Bethaus des Königs ergänzt. Mit der U-Bahn fuhren wir zum Friedhof Pere Lachaise, wo wir die Gräber vieler Berühmtheiten, wie z. B. Edith Piaf, Sarah Bernard, Maria Callas und auch Jimmi Morrison entdeckten. Und schließlich nach einer erneuten U-Bahnfahrt ‚erklommen’ wir den Mont Matre und besichtigten Sacre Cœur. Ein Bummel durch das angrenzte Künstlerviertel rundete unseren Tag ab. Leider ist ein Wochenende viel zu kurz für Paris, mindestens eine Woche müßte man bleiben, um einen Einblick zu bekommen und auch wenigstens etwas Zeit für das eine oder andere Museum zu haben.
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Normandie
Am nächsten Morgen verließen wir Paris und machten uns nach Norden auf, die Normandie ist unser Ziel. Auf der Fahrt passierten wir Lyons la Foret, und dort legten wir auch eine Mittagspause ein. In Rouen interessierte uns vor allem die Kathedrale, die zur Abwechslung mal wieder Notre-Dame heißt. Auf dem alten Marktplatz in Rouen wurde Johanna von Orleans verbrannt (nachdem sie zuerst Frankreich vor den Engländern gerettet hatte). In Dieppe stießen wir auf die Küste, der wir von nun an westwärts folgten entlang der Cote d’Albatre. Hierbei durchquerten wir kleine Fischerdörfer, wie z.B. St. Pierre-en-Port. Die Kreidefelsen in Etretat hinterließen einen tiefen Eindruck. Auch das Städtchen Honfleur hat seinen besonderen Charme. Im 19. Jahrhundert wurde es zum Zentrum künstlerischer Aktivität – Eugene Boudin wurde hier geboren; aber auch Künstler wie Renoir, Cezanne oder Pissarro kamen hier her. Das Übernachten in Jugendherbergen gaben wir auf, da uns die Sucherei zunehmend nervte. Wir stiegen auf Formel-1-Hotels um. Das ist billiger und sie sind wesentlich leichter zu finden.
Juno- und Goldbeach erreichten wir im Nebel und man kann sich gut vorstellen, wie die Alliierten bei solchem Wetter an der Küste landeten und ihren Überraschungsangriff starteten. Überrascht hat uns die Gedenksäule, auf der stand, daß hier Charles de Gaulle Frankreich befreite – haben wir da im Geschichtsunterricht nicht was anderes gelernt. Bei Arromanches-les-Bains sieht man noch Reste des künstlichen Hafens, der hier von den Engländern bei der Landung angelegt wurde. In Bayeux besichtigten wir den berühmten Wandteppich, der die Geschichte über die Eroberung von England durch die Normannen im Jahre 1066 berichtet. Dieser Teppich ist nicht viel jünger, er wurde 1077 zur Einweihung einer romanischen Kirche hier in Bayeux von Bischof Odo in Auftrag gegeben.
Wir verließen die Küstenlinie, um uns die Halbinsel von Cherbourg zu „sparen“. In Mont St. Michel erreichten wir sie wieder. Die Insel Mont St. Michel, bei Ebene trockenen Fußes zu erreichen, mit seinem wehrhaften Kloster, das bereits 966 von Benediktiner gegründet wurde, gefällt uns. Das Ganze erinnert an Minas Tirith, aus dem ‚Herr der Ringe’, oder hat sich Tolkien seine Anregung hier geholt? Mittlerweile gibt es einen befestigten Damm zwischen Insel und Festlande, so daß man nicht mehr von den Gezeiten abhängig ist und mit dem Auto hinüberfahren kann.
Bretagne – Nordküste
Weiter ging es entlang der Küste: zuerst an der Cote d’Emeraude mit ihren traditionsreichen Badeorten und dann zwischen Tregastel und Trebeurden an der Granitküste (Cote de Granit Rose). Hier sind die Felsen zum Teil richtig rosa: Natur kann doch so kitschig sein. Außerdem konnten wir aus der Ferne das Disneyschloß bewundern, das Original zum bekannten Emblem steht nämlich in der Bretagne. Auf unserem weiteren Küstenweg passierten wir wieder einige nette Fischerstädte wie Roscoff, ein früheres Korsarennest, und Lannilis. In Brignogan lud uns das Meer zum Baden ein. Die Nacht verbrachten wir in einem schnuckeligen Hotel in L’Aber Marc’h in der Engelsbucht mit direktem Blick aufs Meer, wo wir einen traumhaften Sonnenuntergang beobachten konnten. Am nächsten Morgen ging es weiter nach Portsall, das durch ein Tankerunglück vor seiner Küste traurige Berühmtheit erlangte, und dann nach Brest, wo wir Conny vom Flughafen abholten, die uns die letzte Woche begleitete.
Bretagne – Westküste
Nun kamen wir ins Reich der Feen und Träume. Um die Westküste der Bretagne ranken sich viele geheimnisvolle Geschichte und Mythen, von denen mein Reiseführer einige zu erzählen wußte. Nur das Wetter paßte nicht ganz, es war zu gut – strahlender Sonnenschein, wo doch Nebel geheimnisvoller und wilde Winde eindrucksvoller gewirkt hätten. Gerade am Pointe du Raz, dem westlichsten Zipfel Frankreichs, könnte man sich dann gut vorstellen wie dort die Seelen der Verstorbenen das Land verlassen. Aber auch so ist die felsige Westküste der Bretagne beeindruckend. Am Leuchtturm bei St. Matthieu, einem ehemaliges, mittlerweile verfallendes Kloster, genossen wir den Sonnenuntergang. Am nächsten Tag erkundeten wir das Ziegenkap (Cape de Crozon), dessen Felsen auch schroff ins Meer abfallen. Im mittelalterlich anmutenden Städtchen Lacronan werden auch heute noch Filme zu dieser Zeit gedreht, und daher wird streng drauf geachtet das Ambiente so zu belassen, und es nicht durch so moderne Dinge wie z.B. Straßenschilder zu „verunstalten“. Wenn die Bewohner noch dementsprechend gekleidet wären, würde man sich in der Zeit zurückversetzt fühlen. Von Lacronan ging es weiter zum bereits oben erwähnten Pointe du Raz, der am Cap Sizun als schmale, fast 80 Meter hohe Landzunge in den Atlantik ragt.
In Pont Aven wandelten wir auf den Spuren von Gaugin, der hier zusammen mit E. Bernard und P. Serusier den Synthetismus, einen grobschnittigen, farbenfrohen Malstil, entwickelte. Danach ging es zu den Megalithenfeldern von Carnac. Hier gibt es nahezu 3000 dieser stehenden Steine, allerdings verglichen mit Stonehedge nur im Mini- und Midiformat. Im angrenzenden Wald sollte aber angeblich ein 6 m hoher Stein stehen. Er muß sich gut getarnt haben, denn wir haben ihn nicht gefunden, dafür aber büschelweise gelb-blühenden Ginster. In Locmariaquer, das am Golf von Morbinan liegt, gab es Dolmen zu bewundern, außerdem hatten wir hier an der Küste doch tatsächlich auch ein aufgewühltes Meer. Vannes an der Spitze des Golfes von Morbinan war früher die Hauptstadt der Veneti, eines Seefahrer-Stammes, der von Cäsar besiegt wurde. Die Altstadt von Vannes ist noch komplett von einer Stadtmauer umgeben, die im Süden und Norden von zwei wuchtigen Toren unterbrochen wird. Das Waschhaus am Stadtgraben erinnert noch an die Zeiten als Wäsche waschen harte Arbeit war. Morbidan heißt das kleine Meer, eine treffende Bezeichnung für das landumschlungene Gewässer. Der Golf ist der Sage nach aus den Tränen von Feen entstanden und ihre Haarkränze sind zu vielen kleinen Inseln geworden. 40 dieser Inseln sind auch bewohnt – die Leute leben von Fischerei, Austernzucht und natürlich vom Tourismus.
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an der Loire
An der Loiremündung verließen wir die Küste und machten uns entlang dieses Flusses ins Landesinnere auf, vor allem natürlich auch wegen der vielen wunderschönen Schlösser an seinem Ufer. Unsere erste Station war Nantes, das mittlerweile zur Hauptstadt der Pays de la Loire geworden ist, aber doch immer bretonisch geblieben ist. Hier im Chateau des Ducs de Bretagne wurde Anne de Bretagne geboren, Henri IV unterschrieb hier das Edikt von Nantes, das den Protestanten begrenzte Religionsfreiheit zugestand und der letzte Herzog der Bretagne (Francois II) liegt in Nantes in der Cathedrale St.-Pierre begraben. Weiter führte uns unser Weg nach Angers, hier im Chateau hängt einer der schönsten mittelalterlichen Wandteppiche über die Apokalypse. Etwas abseits vom Weg lag l’Abbay Fontevrand, dem wir ebenfalls einen Besuch abstatteten. Diese Abtei wurde im 12. Jahrhundert von den Benediktinern gegründet und wurde von Äbtissinnen geleitet, die meist von Adel waren. Unter Napoleon wurde das Kloster säkularisiert und diente von 1804 – 1963 als Gefängnis. Seither wurde es wieder sorgfältig restauriert und ist heute ein Kunstzentrum.
Und dann die schönsten aller Schlösser: Azay le Rideau, Villandry, Chenonceaux und Chambord. Azay le Rideau liegt schön verträumt umgeben von Wälder und Wasser, fast wie ein Märchenschloß. Es war ein Lustschloß, bei schönem Wetter bewohnt, im Winter verlassen. Bauen ließ es Philippa Lesbahy, die Frau des Finanzministers unter Francois I; heute gehört es dem französischen Staat. In Villandry sind es die Gärten, die bekannt sind: Ornamental gestutzte Sträucher und Blumen bilden auf drei Ebenen ein Ensemble: Vom Küchengarten unten geht es über den Ziergarten hinauf zum Wassergarten. Im jardin d’amour spiegeln Blumen die verschiedenen Gesichter der Liebe: Leidenschaft, Romanze, Tragik und Unbeständigkeit. Mein Lieblingsschloß war Chenonceaux, hier wohnte einst die berüchtigte Katharina de Medici. Ihr Mann, Henri II schenkte es einst Diane de Poitiers, seiner Mätresse. Nach Henris Tod mußte es diese aber an Katharina de Medici abtreten. Ein Garten und ein Schlafzimmer erinnern heute noch an sie. Die Galerie des Schlosses, die Katharina bauen ließ, überspannt auf Brückenbogen den Fluß Cher, einem Nebenarm der Loire. Heute ist das Schloß im Besitz des Schokoladenfabrikanten Menier. Chambord beeindruckt vor allem durch seine Größe. Henry James sagte einst: „Chambord ist wahrhaft königlich – königlich in seinen Ausmaßen, seiner großartigen Atmosphäre und seiner Gleichgültigkeit gegenüber gewöhnlichen Maßstäben. Das Schloß selber besichtigten wir nicht (es war uns zu groß?), aber auch die Parkanlagen sind sehenswert.
In Blois residierten die Könige Frankreichs bis Ende des 16. Jahrhundert Henri IV den Hof nach Paris verlegte. Das Chateau de Blois mit der achteckigen Wendeltreppe wurde bis dahin von Königen bewohnt. Es besteht aus vier sehr verschiedenen Schloßflügeln aus dem 13., 15., 16. und 17. Jahrhundert. Die letzte Stadt in Frankreich, der wir einen Besuch abstatteten war Orleans, die Heimat von Jeanne d’arc. Wir besuchten die Cathedrale Sainte Croix (es heißen doch nicht alle Notre-Dame) und nahmen das Flair der historischen Altstadt in uns auf. Unseren Heimweg traten wir über Basel an, wo eine Freundin von mir wohnt.
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