Hinflug
Dieser Urlaub begann schon abenteuerlich: So kurz nach dem 11. September herrschte an allen Flughäfen Chaos und wir flogen bereits in München mit einiger Verspätung ab. Damit verpaßten wir auch den Anschlußflug in Lissabon. Und unser Gepäck war nicht da, wo man uns doch extra gesagt hatte, wir müssen es abholen und neu einchecken. Es standen aber eine Menge herrenloser Koffer herum, und dafür gab es am „lost baggage“ Schalter eine lange Schlange, in die wir uns dann auch einreihten. Die Dame dort meinte, unser Gepäck werde doch durchgecheckt nach Faro. Als wir in Faro ankamen (mit insgesamt etwa 7 Stunden Verspätung, es war mittlerweile Mitternacht) war natürlich kein Gepäck da. Ansonsten sah es ähnlich aus wie in Lissabon: viele Koffer ohne Reisende, und viele Reisende ohne Koffer. Also wieder am „lost baggage“-Schalter anstellen und eine „Suchmeldung“ ausfüllen. Zum Glück hatten wir das Hotel für die erste Übernachtung und den Mietwagen schon von zu Hause aus gebucht, und wir mußten deshalb diese Nacht nicht unter Brücken schlafen – im Handgepäck war auch Zahnbürste und frische Wäsche.
 |
Algarve
Am nächsten Morgen sollte es ja weiter gehen, deswegen wollten wir vorher noch mal am Flughafen vorbei schauen, vielleicht war das Gepäck ja mittlerweile angekommen. Aber wir durften den Flughafen jetzt nicht mal betreten, nicht das wir auf so strategisch wichtige Orte wie Faro-Flughafen einen Anschlag verüben. Nach längerem Diskutieren durften wir dann doch noch (unter Aufsicht) zum ‚lost baggage’-Schalter, aber unser Gepäck war noch nicht angekommen. Also machten wir uns ohne unsere Koffer auf die Reise entlang der Algarve, wo wir geplant hatten die ersten Tage am Strand zu verbringen. Auch die Suche nach einem Hotel gestaltete sich anfangs schwierig, die Dame im Tourismusbüro in Portimao war regelrecht entsetzt, daß wir von ihr die Vermittlung eines Hotelzimmers wünschten. Immerhin konnte sie uns eine Übersichtskarte über die am Ort vorhandenen Hotels geben, die wir dann eben abklapperten, und so fanden wir ein einfaches, aber nettes Hotel direkt in Strandnähe (Praia da Rocha), in dem wir uns einmieteten. Der Bikini war zum Glück im Handgepäck, also ging es auch gleich auf zum Strand. Hier gibt es unterteilt durch Felsen schöne Sandbuchten. Wir entschieden uns, einen Strandspaziergang zu machen – nur über Ebbe und Flut hatten wir dabei nicht nachgedacht. Und als wir wieder zurück kamen, war da, wo vorher unsere Handtücher lagen nur noch nasser Sand. Aber – zum Glück – hatte der Mann von „Bay Watch“ unsere Sachen vor den Fluten gerettet. Abends versuchte Birgit stundenlang beim „lost baggage“ anzurufen (immer besetzt), aber kurz bevor wir entnervt aufgeben wollten, klappte die Verbindung, und siehe da die Koffer waren angekommen und hatten bis zum nächsten Morgen auch unser Hotel erreicht.
Nach einigen Relax-Tagen am Strand ging unsere Reise weiter Richtung Westen nach Lagos. Von hier aus traten die Portugiesen unter Henrique, dem Seefahrer, einst ihre Weltherrschaft an, heute erinnert noch ein Museum im Forte da Ponta da Bandeira am alten Hafen daran. Der Sklavenmarkt, ein arkadengesäumter Renaissancebau mitten in der Altstadt, entstammt auch dieser Epoche. Am Cabo de Sao Vicente dem äußersten Süd-Westzipfel Europas endete in der Antike die Welt. Hier, so erzählt die Legende, ist der Heilige Vincente mit seinem Boot gestrandet, bevor ihm Krähen den Weg nach Lissabon wiesen. Und in Sagres hier am „finis terrae“ soll auch die berühmte Seefahrerschule des Infanten Henrique gestanden haben.
Baixo Alentejo
Wir folgten der Küste Richtung Norden und verließen so die Algarve. Am Cabo Sardao legten wir eine Pause ein und genossen einen Spaziergang an den Klippen. Ein Hund, der dort im Leuchtturmwärterhaus wohnte, freute sich über unser Auftauchen und begleitete uns. Wahrscheinlich war er glücklich jemand gefunden zu haben, der mit ihm spazieren geht. Vila Nova de Milfontes war unsere nächste Station. Ein Ort an dem die Portugiesen selbst Urlaub machen. Auch wir genossen hier den Strand. Auf der Höhe von Sines verließen wir die Küste und bogen Richtung Landesinnere ab.
In Beja gibt es vor allem das Castelo zu sehen, das auf römischen Fundamenten errichtet ist. Leider war der „Torre de Menagem“ (der Burgturm) nicht geöffnet, so daß wir auf eine Besteigung verzichten mußten. Wir wanderten deshalb durch die Gassen der Stadt, in denen viele Handwerker arbeiten. Aber es war gerade Siesta, so daß nicht viel los war. Wir hatten eine ungünstige Zeit für unseren Besuch gewählt.
Alto Alentejo
Uns führte die Route weiter nach Nordosten, nach Elvas. Von hier sind es nur noch ein paar Kilometer zur spanischen Grenze. Elvas liegt, wie viele Städte hier im Alentejo, auf einem Hügel; so daß man einen guten Blick ins Land hat. Bekannt ist sein Aquädukt, das natürlich von den Römern stammt (zumindest das Fundament). Der Aufbau wurde im 15. und 16. Jahrhundert durchgeführt, und mit seinen 7 km ist es das größte Aquädukt weltweit. Vila Vicosa, eine Kleinstadt, die von riesigen Marmorbrüchen umgeben ist, heißt auch die „Perle des Alentejo“. Schon im 16. + 17. Jahrhundert ließen sich die portugiesischen Könige hier einen prächtigen Palast bauen, die Fassade natürlich aus Marmor. Das Porta dos Nos (das Knotentor) führt in den Garten des ehemaligen Convento de Chagas, das heute eine Pousada beherbergt. Auch in Estremoz sieht man, das in der Gegend Marmor abgebaut wird. Der Turm der Königsburg ist aus weißem Marmor, wenn der auch mit den Jahren eher schwarz geworden ist. Dagegen erstrahlt die Statue der Isabel von Aragon, der Rainha Santa Isabel weiterhin in reinem Weiß. Vielleicht weil sie zu Lebzeiten großzügig zu den Armen war? Auch von Estremoz hat man wieder einen tollen Blick ins Land, in dem abwechselnd Olivenbäume und Korkeichen stehen.
Evora gehört seit 1987zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist die Hauptstadt des Alentejo. Für seine Besichtigung haben wir uns auch einen ganzen Tag Zeit genommen und das hat sich gelohnt. Aus römischer Zeit stehen noch Reste des Diana-Tempels, und dann gibt es hier natürlich eine Reihe von Kirchen: Am Praca do Giraldo die Kirche des heiligen Augustinus, in der Nähe des Diana-Tempels die Kirche zum heiligen Evangelium und vor allem die Große Kathedrale. Von ihrer Dachterrasse hat man einen schönen Blick auf die Stadt. Einen Besuch wert ist auch die Igreja Real de Sao Francisco mit der Capela dos Ossos, einer völlig mit menschlichen Gebeinen ausgestatteten Kapelle. Über ihrem Eingang hängt der Spruch: „Nos ossos que aqui estamos – Pelos vossos esperamos“ (zu deutsch: Wir, die hier versammelten Gebeine, warten auf die euren). Rund 30 km von Evora entfernt, hoch auf einem Hügel liegt die kleine Festung Evoramonte. Schon die Römer und später die Mauren bauten hier eine Burg. Die dicken Außenmauern aus dem 14. Jahrhundert haben die Zeit überstanden, im Inneren der Burg sieht es aber eher verfallen aus. Zwei Nächte verbrachten wir hinter ehemaligen Klostermauern, im Convento de Sao Paulo; heute eine luxuriöse Pousada. Unser Bad war ganz in Marmor mit goldenen Wasserhähnen und auch sonst erinnerte nichts an die Einfachheit eines Klosters.
 |
Estremadura
Aus dem Alentejo mit seinen Olivenhainen führte uns der Weg weiter Richtung Lissabon, das wir durchquerten, um nach Sintra zu kommen. Diesen Ort bezeichnete H. Ch. Andersen als den schönsten Portugals. Hier ist in dichten Wäldern mit exotischen Bäumen und romantischen Schlössern eine Märchenwelt entstanden. Wir besuchten den Palacio Nacional da Pena, ein Potpourri aus Stilrichtungen, angestrichen in bunten Bonbonfarben und streiften durch die geheimnisvollen Wälder mit verwunschenen Seen und moosüberwucherten Ruinen. Feen und Zwerge sind uns aber nicht begegnet. Aus dieser Märchenwelt ging es ins mondäne Estoril mit Formel1-Rennstrecke und Casino, das wir aber nur von außen bewunderten, den uns war mehr nach einem Sonnenuntergang am Atlantik zumute. Den fanden wir am Cabo da Roca, das mit seinem Leuchtturm den westlichsten Punkt von Festland-Europa darstellt. Zurück in Estoril mußten wir in der Dunkelheit noch ein Hotel suchen, aber auch diesmal mußten wir nicht auf der Straße nächtigen.
Den Abschluß unserer Reise durch Portugals Süden bildete Lissabon. Vom Westen her kommend war das Mosteiro dos Jeronimos unser erstes Ziel. Das filigran gearbeitete Südportal und auch der „doppelstöckige“ Kreuzgang haben uns sehr beeindruckt. Unweit davon am Rio Tejo liegend besichtigten wir den Torre de Belem und das Denkmal zum 500. Todestag von Heinrich dem Seefahrer. Dann machten wir uns auf die Suche nach unserem Hotel, das wir bereits von zu Hause aus gebucht hatten. Nach einigen Irrwegen wurden wir auch fündig und haben hier die engste Tiefgarage Portugals kennengelernt. Unser Mietauto bekam noch eine Schramme ab, aber wir haben es doch wieder herausbekommen aus dieser Garage (zum Glück war es nur ein kleiner Peugeot). Für die restlichen zwei Tage in Lissabon hatten wir eh vor die U-Bahn zu nutzen, so daß wir das Auto noch am Abend abgegeben haben. Wegen der Schramme mußte ein Unfallbericht ausgefüllt werden, aber wir waren ja Vollkasko versichert.
Für die letzten beiden Tage hatten wir eine klare Einteilung: 1 Tag Kultur und 1 Tag Shopping. Begonnen haben wir natürlich mit der Kultur: Start am Praca do Comercio, dann zum Castelo Sao Jorge. Diese Burg diente bis 1511 als Königspalast. Nach einem Erdbeben standen hier nur noch Ruinen, aber von 1938 – 1940 wurde die ganze Anlage wiederhergestellt. Der Kathedrale von Lissabon haben wir natürlich auch einen Besuch abgestattet. Zwischendurch gönnten wir uns eine Pause in einem der vielen Altstadtcafes mit sehr viel Flair. Für die vielen sehenswerten Museen der Stadt blieb uns leider keine Zeit. Und am nächsten Tag ging es ab ins riesige Lissabonner Einkaufszentrum, hier hätten wir auch locker mehrere Tage verbringen können. Der Heimflug brachte kein weiteres Abenteuer mit sich und auch unser Gepäck ist mit uns in München gelandet.
|